Ziegelrot

Baukultur in Hamburg – Eine Hommage an den Backstein

Ham­burg pflegt eine inten­sive Liebesgeschichte mit sein­er Back­steinar­chitek­tur, die Jahrhun­derte zurück­re­icht. Infolge des „Großen Bran­des“ 1842, bei dem ca. 20 Prozent des Ham­burg­er Gebäudebe­standes ver­nichtet wur­den, avancierten die nicht brennbaren Ziegel­steine zum begehrten Baustoff und zur Inspi­ra­tion für imposante Bauw­erke. Als die Unesco 2015 die Spe­ich­er­stadt, das Kon­torvier­tel und das Chile­haus, Högers Ikone des Back­stein­ex­pres­sion­is­mus, in die Welt- kul­turerbeliste aufn­immt, blühte die Liebe noch ein­mal mehr auf. Die Spur der rot­ge­bran­nten Steine zieht sich durch die gesamte Stadt und macht einen maß- geblichen Teil des baukul­turellen Erbes aus.

Bis heute sind sie erste Wahl in der Fas­sade­naus­führung. Ob für Wohn- oder Geschäfts­ge­bäude — auf den vari­anten­re­ichen Rot­tö­nen der Fas­saden und der robusten Mate­ri­al­ität des Steins baut die Iden­tität Ham­burgs. Und die Back­steine und Ziegel sind nicht nur stil­prä­gend sowie äußerst wit­terungs­beständig, sie geben auf­grund ihrer markan­ten Far­bigkeit auch darüber Auskun­ft, woraus sie gemacht beziehungsweise gebran­nt sind: Das Grun­dele­ment ist Ton, der im Her­stel­lung­sprozess auf­bere­it­et, in Form gebracht und anschließend gebran­nt wird.

Die tra­di­tionelle Bren­nweise im Ringofen macht jeden Stein zu einem Unikat. Die Ziegel für das Tichel­haus wer­den auf eine altherge­brachte Weise hergestellt: In einem von Hand mit Kohle befeuerten Ringofen.

Back­stein prägt durch seine Mate­ri­al­ität und Far­bigkeit maßge­blich das Ham­burg­er Stadt­bild und trägt so in beson­derem Maße zur Iden­tität Hanse­stadt bei.

Mit Ziegeln aus der Region

Der Rohstoff, aus dem auch die Fas­sade des Tichel­haus­es errichtet wird, ist Elb­marschton, den die Fir­ma Rusch noch tra­di­tionell im Ringofen bren­nt. Das 1881 gegrün­dete Ziegel­w­erk ist das let­zte von mehr als 100 Werken, die es in der zweit­en Hälfte des 19. Jahrhun­derts zwis­chen Ham­burg und Cux­haven gab. Mit dem über Gen­er­a­tio­nen über­liefer­ten Wis­sen um die Ver­ar­beitung des Natur­pro­duk­ts entste­hen in Han­dar­beit Steine, die jed­er für sich ein Unikat sind und die in ihrer Gesamtheit dem Tichel­haus eine lebendi­ge Klink­er­fläche ver­lei­hen – gefer­tigt aus einem Naturstoff, der aus dem Urstrom­tal der Elbe stammt.

Vom Ton zum Ziegel

01. Tongewinnung

Als echt­es Natur­pro­dukt beste­ht der Grund­stoff für unsere Ziegel zu 90% aus Ton und 10% aus Sand. Dabei bildet der soge­nan­nte Elb­marschton aus der hiesi­gen Region, mit etwa 90% am Tongemisch, den Hauptanteil.

02. Herstellung und Trocknung der Rohlinge

Der gewonnene Ton wird in weit­eren Arbeitss­chrit­ten mit Sand und Wass­er kräftig durchgemis­cht und gepresst, bis auch die let­zten Unrein­heit­en beseit­igt sind. Ein in Form gebrachter Ton­strang wird auf die gewün­schte Bre­ite zugeschnit­ten. Die so ent­stande­nen Rohlinge wer­den in Trock­nungskam­mern gestapelt und bis zum Bren­nen verwahrt.

03. Der historische Ringofen

Nach dem Trock­nen wer­den die Rohlinge dann zum Herzstück der Ziegelei, dem Ringofen, ver­bracht. Die Rohlinge wer­den dort per Hand in den Ofen gebracht und Schicht für Schicht, bis stramm unter die Decke, einge­set­zt. Das Feuer im Ringofen bren­nt während der gesamten Pro­duk­tion­szeit. Es gibt nicht einen Tag, an dem es Pause hat. Die Bren­n­meis­ter steuern das Feuer vom Ofen aus: Stunde für Stunde, Tag für Tag, Monat für Monat. Der Brand erfol­gt noch immer nach alter Tra­di­tion – mit Steinkohle und Holz. Schippe für Schippe wer­den die Brennstoffe durch die Löch­er in der Ofend­ecke eingeworfen.

04. Brennen der Ziegel

Nach unge­fähr 16 Tagen im Ofen sind aus den Rohlin­gen echte Klink­er gewor­den. Das Her­aus­holen der Klink­er erfol­gt dann, genau wie schon das Ein­set­zen, in echter Han­dar­beit. Die Klink­er wer­den im Ofen auf Hand­wa­gen gepackt und dann herausgeschoben.

04. Der fertige Ziegel

Jet­zt wer­den die Klink­er, natür­lich eben­falls von Hand, nach Farbe, Ausse­hen und Beschaf­fen­heit für die Pro­duk­t­palette zusam­men gestellt. Hier­bei hil­ft nur die Erfahrung der Mitar­beit­er. Jed­er einzelne Klink­er wird gesichtet und sortiert, bevor die Palet­ten ver­packt und gebün­delt werden.